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Grabungsschnitt im nördlichen Teil des Südosttores (Mönchslatrine).
Universität Bamberg
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Römisches Fundament unter der südöstlichen Ecke der Klausur.
Universität Bamberg
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Spätmittelalterlicher Fußbodenrest aus Steinplatten mit Ansatz des aufgehenden Mauerwerks im südöstlichen Teil der Klausur.
Universität Bamberg
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Blich auf die mittelalterlich zugesetzte Öffnung der Klostermauer im Bereich der Mönchslatrine.
Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen
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Funde zum geistlichen Leben im Kloster.
Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen
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Funde zu Raumausstattung und
-schmuck des Klosters.
Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen
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Funde zum Wirtschaftsleben im Kloster.
Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen
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Ein Puzzle mit tausend Teilen...
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Mehr als sechzig Jahre liegen zwischen dem letzten Spatenstich der Grabungen Friedrich Behns im Klostergelände und dem Neubeginn systematischer archäologischer Forschungen in Lorsch 1998. In diesem Zeitraum haben sich nicht nur die Grabungsmethoden verfeinert. Auch das Erkenntnisinteresse ist vielfältiger geworden und hat sich verändert. Zwar spielen die baugeschichtlichen Fragen nach wie vor eine große Rolle, doch ist darüber hinaus auch die vorklösterliche Siedlungsgeschichte, die Standortwahl für die Klosteranlage, der monastische Alltag, die Infrastruktur und das Wirtschaftsleben des Klosters Lorsch in das Blickfeld der Archäologie gerückt. Die Ausgrabungen des Bamberger Lehrstuhls für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit (Prof. Dr. Ingolf Ericsson) wurden 1998 mit zwei Testflächen am Westabschluß der karolingischen Klosterkirche und in der Südostecke der Klausur begonnen (örtliche Grabungsleitung Dr. Stefan Kirchberger).
Obwohl diese Bereiche bereits von den Altgrabungen der zwanziger und dreißiger Jahre berührt worden waren, wurden hier erste vielversprechende Ergebnisse erzielt. 1999 wurden die Untersuchungen, nun am Südosttor, fortgesetzt. Mit der Klausur und dem anschließenden Teil des Klosterbezirks konzentrieren sich die Ausgrabungen nunmehr auf Bereiche, denen seit dem Zweiten Weltkrieg vermehrt das Augenmerk der Klosterarchäologie gilt. Gleichzeitig sollen die nie abschließend ausgewerteten Grabungsunterlagen Friedrich Behns überprüft und veröffentlicht werden.
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Steine, Backsteine und Dachziegel
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Erste Hinweise auf eine römische Vorbesiedlung des Klostergeländes ergaben sich schon bei den Ausgrabungen Adamys und Behns. Hier waren vereinzelt römische Streufunde und Baureste im Klostergelände beobachtet, jedoch nicht eingehend untersucht worden. 1998 wurde tief unter den mittelalterlichen Befunden in der südöstlichen Kreuzgangsecke ein in nord-südlicher Richtung verlaufender Fundamentrest freigelegt. Durch ein Fragment von bemaltem Wandputz mit floralem Dekor und Funde von Leistenziegeln ist er eindeutig als römisch einzuordnen. Mögen die Bauspuren auch für den archäologischen Laien wenig eindrucksvoll erscheinen, so liefern sie uns doch ein erstes Mosaiksteinchen für die Erforschung der römischen Siedlung. Nach wie vor rätselhaft bleibt ein 1998 erneut freigelegter Fundamentblock unter dem modernen Ostabschluß des Kirchenrests. Er ist aus großen Steinquadern zusammengefügt, die nach ihrer Bearbeitung und ihren Hebelöchern eindeutig in die Römerzeit datiert werden können. Sie zeigen teilweise Brandspuren und liegen in Zweitverwendung. Noch können wir den Verwendungszweck dieses Fundaments, das Ähnlichkeiten mit Fundamenten römischer Pfeilergrabmäler hat, nicht näher einordnen, da insgesamt der Charakter der römischen Siedlung im Klostergelände unklar ist. Es ist immerhin auffällig, daß allenthalben in der Klosteranlage römisches Baumaterial vermauert wurde. Ein Teil davon wurde sicher unmittelbar vor Ort beschafft. Der Gedanke liegt nahe, daß angesichts der steinarmen Dünenlandschaft um Lorsch bei der Verlegung des Klosters der heutige Standort deshalb ausgewählt wurde, weil hier noch viele römische Steine, Backsteine und Dachziegel gratis zur Verfügung standen.
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Römische Vorbesiedelung
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Das rechtsrheinische Gebiet an der Bergstraße um Lorsch war vom späten ersten Jahrhundert bis zum Limesfall 260 römisch besetzt. Einzelne Punkte wie der an der Weschnitzmündung gelegene Burgus Zullenstein oder die römischen Steinbrüche am Felsberg, unweit von Lorsch an der Westabdachung des Odenwaldes gelegen, wurden auch noch im vierten Jahrhundert römisch kontrolliert. Die römischen Funde vom Klostergelände lassen sich bislang noch nicht so eindeutig datieren, daß zu erkennen wäre, ob das Gelände auch nach dem Limesfall noch besiedelt wurde. In der Römerzeit und zur Zeit der karolingischen Klostergründung war das Geländerelief im Bereich der eiszeitlichen Flugsanddüne noch anders als heute. Die Klosterdüne steigt im Westen nur mäßig an und erreichte südlich der Zehntscheune und nördlich der Kirche ihre höchste Erhebung. Sie fiel dann im Osten, auf der Leeseite der Düne, um mehrere Meter und relativ steil zum heutigen Festplatz (Busparkplatz) ab. Der nördliche Gipfel der Klosterdüne ist heute durch den Straßendurchbruch der Karolingerstraße im 19. Jahrhundert und einen umfangreichen Geländeabtrag nördlich der Kirche 1958, dem Teile des mittelalterlichen Mönchsfriedhofs zum Opfer fielen, nicht mehr zu erkennen.
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Klostermauer am Fuß der Düne
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Auch der östliche Steilabfall läßt sich nicht ohne weiteres ausmachen, denn ihm ist die Klostermauer vorgeblendet, die am Fuß der Klosterdüne errichtet wurde. Im Lauf der Zeit wurde sie mit mächtigen Schuttpaketen hinterfüllt, die bei den vielen Bau- und Abbruchmaßnahmen im Klostergelände anfielen. Bei der Ausgrabung 1999 konnte ein Unterschied von 5,6 m zwischen dem heutigen Geländeniveau im Inneren der Klostermauer und der Dünenoberfläche ermittelt werden. Hier ließ sich auch feststellen, daß die Auffüllmaßnahmen im 12. und 13. Jahrhundert stattfanden und durch sie neuer Baugrund für Gebäude unmittelbar an der Klostermauer entstand.
Durch diese Veränderung der ursprünglichen Topographie nimmt der heutige Besucher die Innenseite der Klostermauer nur als niedrige Brüstung wahr. Von außen verbirgt sie sich vielerorts hinter dichtem Bewuchs. Dabei ist sie mit immerhin noch rund 470 m Länge und fast 4 m Höhe das größte stehende Bauwerk des Klosters. Über ihre Baugeschichte ist allerdings so gut wie nichts bekannt. Eine Umfriedung des Klosterareals wird schon für Abt Richbod (784 - 804) im Lorscher Codex genannt. Ob sie in Stein aufgeführt war und ob sie, was eher unwahrscheinlich ist, bereits das gesamte spätere Klosterareal umspannte, wissen wir bislang nicht. Anhand der Grabungsergebnisse 1999 läßt sich wahrscheinlich machen, daß der hier erfaßte Abschnitt im 12. Jahrhundert errichtet wurde. Für diese Zeit liegt bezeichnenderweise eine Baunachricht vor, die besagt, daß Abt Heinrich (1151 - 1176) die Klostermauer von Grund auf erneuerte (ambitum murorum ab extremis ruinis instauravit).
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Wohnkomfort durch Kachelöfen
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Im Kreuzgangsbereich haben wir 1998 überraschend Reste alter Mauersubstanz nachgewiesen, eine Seltenheit im Klosterareal, das über Jahrhunderte als Steinbruch für Lorsch und die umliegenden Ortschaften diente. Hier, in der südöstlichen Ecke der Klausur, waren neben Resten des aufgehenden Mauerwerks sogar noch Teile eines Steinplatten-Fußbodens nachzuweisen, die Aussagen über das alte Laufniveau erlauben. Anhand der zugehörigen Funde können die Baureste ins Spätmittelalter datiert werden, ein weiterer Hinweis auf die Bautätigkeit der Prämonstratensermönche, die seit 1248 den Lorscher Konvent bildeten. Auch die bei den Grabungen häufig gefundenen ornamentierten Fußbodenfliesen, die sich in die Zeit ab dem letzten Drittel des 13. Jahrhunderts setzen lassen, deuten darauf hin, daß die Prämonstratenser viel für den baulichen Unterhalt der Klostergebäude taten. Am Ausgang des Mittelalters macht sich im Fundgut auch ein gewisser Wohnkomfort bemerkbar. So wurden im späten 15. Jahrhundert mehrere repräsentative Kachelöfen mit glasierten Nischenkacheln eingebaut und es gibt Hinweise darauf, daß die Fenster des Kreuzgang in dieser Zeit verglast waren, da hier mit Heiligenfiguren bemalte Fensterglasfragmente zu Tage kamen. Diese Ergebnisse sprechen für eine weiterhin solide wirtschaftliche Basis des Klosters, das seine reichspolitische Bedeutung indes eingebüßt hatte.
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Wasserversorgung und Mönchslatrine
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Hinsichtlich der Wasserversorgung, aber auch der Entsorgung von Unrat war die Klosterdüne kein idealer Standort. Es fehlte ein Fließgewässer, das andernorts geschickt zur Speisung des Kreuzgangsbrunnens, zur Versorgung der verschiedenen Küchen, der Wäscherei, zum Antrieb von technischen Einrichtungen (Mühle, Schmiede) und schließlich zum Durchspülen der diversen Latrinenanlagen genutzt wurde. Hier mußten andere Lösungen gefunden werden. Bereits Karl J. Minst hatte hinter dem Südosttor der Ausgrabungen Behns nichts anderes vermutet als eine große Latrinenanlage, die mit dem Schlafsaal der Mönche verbunden war. Dieser Verdacht scheint sich nach den Ergebnissen der Ausgrabung 1999 zu erhärten, als das von Behn nur teilweise freigelegte Gebäude erneut untersucht wurde. Es liegt etwas zurückgesetzt hinter der Klostermauer und war mit ihr durch kräftige Mauerzungen verbunden, die zusammen mit mächtigen Fundamentmauern den hangabwärts wirkenden Schub abfangen sollten. Entlang der durch vier Bögen geöffneten Ostseite des Gebäudes setzte die Klostermauer aus, wie es auch der Merianstich zeigt. Hinter den Bögen öffnete sich nun nicht, wie Friedrich Behn annahm, eine weite Halle, sondern ein nur zwei Meter tiefer Raum. Über diesem ungewöhnlich langen und schmalen Untergeschoß mit Bogenstellungen lag ein weiteres Stockwerk etwa auf Höhe des Kreuzgangniveaus, das, wie der Merianstich zeigt, wohl nur von kleinen Lichtschlitzen erhellt wurde. Im Vergleich mit besser erhaltenen Befunden in anderen Klosteranlagen, vor allem in England, kann die Funktion dieses ungewöhnlichen Gebäudes erklärt werden: Das Untergeschoß diente zur Aufnahme von Fäkalien, die in den darüber liegenden Aborten anfielen. Während die flüssigen Bestandteile einfach versickerten, konnten die festen Bestandteile in gewissen Abständen durch die Bogenstellungen ausgeräumt werden. Dabei wurden die Mönche nicht belästigt, da diese Arbeiten von außerhalb, durch die Lücke in der Klostermauer, ausgeführt werden konnten. Das beständige Ausräumen der Latrine hatte aber auch zur Folge, daß im Gegensatz zu anderen Kloaken, die als regelrechte Müllschlucker verwendet wurden, verhältnismäßig wenige Funde aus ihrem Umfeld geborgen wurden. Nach dem bisherigen Stand der Grabungsauswertung kann die Lorscher Mönchslatrine ins 12. Jahrhundert datiert werden und entstand in einem Zug mit den Baumaßnahmen an der Klostermauer.
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Keramikfunde
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Neben der Klärung und Neuinterpretation der Baugestalt des mittelalterlichen Klosters verfolgt das Forschungsprojekt des Bamberger Lehrstuhls ein weiteres Ziel: Bei den Altgrabungen Adamys und Behns wurde dem Kleinfundmaterial noch keine Bedeutung für die Rekonstruktion des mönchischen Lebens beigemessen, entsprechend gering war bislang auch der Bestand an archäologisch geborgenen Objekten vom Klosterareal. Inzwischen weiß die Mittelalterarchäologie auch unscheinbare Fundstücke zur Lösung verschiedener kulturhistorischer Fragen heranzuziehen. Die Analyse der in sehr großer Zahl zum Vorschein kommenden Kleinfunde soll unsere die heutige Kenntnislücke über das Alltagsleben, die wirtschaftlichen Beziehungen und handwerklichen Aktivitäten des Klosters von der Karolingerzeit bis in die Spätphase schließen helfen.
An erster Stelle wurden bei den neuen Grabungen Funde aus Keramik geborgen. Sie erlauben nicht nur die Rekonstruktion des Aussehens der monastischen Tafel, sondern auch die Ermittlung der Quellen, aus denen sich das Kloster mit lebensnotwendigen Alltagsgütern versorgte. Für das Spätmittelalter konnten die Töpfereien von Dieburg als wesentliche Lieferanten von Keramik ermittelt werden. Seit dem 14. Jahrhundert wurden von dort zahlreiche Becher und Kannen mit engobierter, violettbraun glänzender Oberfläche als Trinkgeschirr bezogen. Aus Dieburg stammen auch die Mehrzahl der Kochtöpfe sowie grün und gelb glasierte, reliefverzierte Ofenkacheln für die rauchfreie Heizung von Räumen im Klausurbereich. Gelegentlich finden sich neben Dieburger Erzeugnissen auch Objekte aus anderen Quellen, so qualitätvolles Steinzeug aus dem Rheinland (Siegburg, Frechen) sowie dünnwandige, rollstempeldekorierte Becher aus einer bislang nicht lokalisierten Werkstatt. Das Hochmittelalter zeigt ein ganz anderes Bild der Versorgung: Im 12./13. Jahrhundert wird das Kloster aus zahlreichen lokalen und regionalen Werkstätten mit einfachem Koch- und Trinkgeschirr beliefert. Qualitätvollere Gefäße wurden aus Seligenstadt bezogen, vor allem helle, rotbemalte Töpfe und Kannen, gelegentlich kommt auch einmal ein Produkt aus der Eifel (Mayen) oder der Region um Köln vor. Erstaunlich ist, daß bereits im späten 12. Jahrhundert mehrere Räume der Klausur über eine fortschrittliche Heizung in Gestalt von Kachelöfen verfügt haben, darauf deutet die große Zahl von gefundenen Becherkacheln mit Nutzungsspuren hin. Im Grabungsschnitt von 1999 wurde erstmals auch eine karolingerzeitliche Fundschicht angetroffen, die der alten Dünenoberfläche unmittelbar aufliegt. Aus ihr stammen neben Scherben handgemachter Keramik auch solche der sog. älteren gelbtonigen Drehscheibenware. Diese im ganzen Oberrheingebiet verbreitete Keramiksorte wurde nachweislich auch auf Lorscher Liegenschaften produziert, so im 965 von Lorsch als Marktort privilegiertem Wiesloch. Die frühen Mönche dürften ihren Bedarf an Feinware daher überwiegend von eigenen Besitzungen bezogen haben. Neben diesen Erzeugnissen begegnet aber auch Keramik, die für die Machtzentren der Karolingerzeit von Frankreich bis Südskandinavien typisch ist (sog. Tatinger Ware) und den Anschluß des Klosters an die internationalen Verbindungswege dokumentiert.
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Zier- und Gebrauchsartikel
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Neben den Gefäßen geben auch direkte Speiseabfälle Auskunft über die monastischen Speisegewohnheiten. Eine Analyse der zahlreichen Tierknochen wird zeigen, inwieweit sich der mönchische Speiseplan von demjenigen zeitgleicher weltlicher Siedlungen unterschied und ob die in den klösterlichen Lebensregeln vorgegebenen Speisevorschriften tatsächlich eingehalten wurden. Auch über die Versorgung der Gemeinschaft mit ländlichen Gütern aus der Umgebung können hier Rückschlüsse gezogen werden.
Die erwähnte karolingerzeitliche Fundschicht unterhalb des Latrinenbauwerks an der Klostermauer erbrachte überraschenderweise auch Zeugnisse für zwei typische klösterliche Handwerkszweige: Zum einen konnten Abfälle, Halbfertigprodukte und Erzeugnisse eines geweih- und knochenverarbeitenden Handwerkers nachgewiesen werden. Hergestellt wurden wohl vor allem aus drei Lagen zusammengenietete Kämme sowie Zier- und Gebrauchsartikel. Zum anderen konnte das Wirken eines glasverarbeitenden Betriebs belegt werden, dessen Rohglasabfall und Glasbruch einen Eindruck vom Produktspektrum vermittelt: Hergestellt wurde vor allem Flachglas, neben fast farblosen Scheiben auch tiefviolett und dunkelgrün eingefärbte Stücke. Daneben wurden auch Glasgefäße produziert, vor allem trichterförmige Trinkbecher sowie Lampen, die frei hängend und mit Öl gefüllt zur Beleuchtung der Klosterräume eingesetzt wurden. Zur Materialversorgung dürfte man sich teilweise römischer Glasmosaikwürfelchen (tesserae) bedient haben, die ebenfalls im Fundgut begegnen. Von keinem der beiden Handwerkszweige berichtet die schriftliche Überlieferung zum karolingischen Kloster, die archäologischen Funde sind daher unsere einzige Quelle für diesen Sektor des mönchischen Lebens.
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Geldumlauf
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Zur wirtschaftlichen Komponente gehört auch der Geldumlauf im Kloster, der bei den neuen Grabungen durch mehrere Münzfunde belegt werden konnte. Einzelne Silbermünzen des hohen und späten Mittelalters sind überwiegend als verlorenes Kleingeld anzusehen. Ein Fund von mindestens 18 papierdünnen, einseitig geprägten Silberpfennigen (Brakteaten), die zu einem ganzen Stapel verbacken waren, stammt aus einer Abbruchschicht und ist entweder erst bei den Abbruchmaßnahmen in den Boden gelangt oder aber als Teil eines spätklosterzeitlichen Depots anzusehen. Auskunft über die Wirtschaftsgeschichte im Spiegel der Münzfunde wird erst die genaue numismatische Analyse aller Funde erbringen.
Den Bereich der Außenbeziehungen des Klosters, aber auch der Baugestalt und Raumausstattung, berührt die Analyse der verwendeten Steinmaterialien. Michael Vettel konnte nachweisen, daß die ältere These von einem Import farbiger Schmucksteine, wie sie für Fußböden, aber auch liturgische Geräte Verwendung fanden, aus fernen Regionen (Italien, Ägäis, Ägypten) nicht haltbar ist, sondern daß sich das Kloster in unmittelbarer Umgebung, in den Steinbrüchen des Odenwalds, mit den meisten vorkommenden Materialien versorgen konnte. Eine genaue Lokalisierung der Materialquellen wird vor dem Hintergrund Lorscher Besitzungen in der Region weitere wirtschaftsgeschichtliche Aufschlüsse versprechen. Die Analyse der zahlreichen Bausteine und Dachschiefer, verzierten Bodenplatten und Ziegel wird auch unser Bild vom Aussehen der einzelnen Bauteile des Klosters vervollständigen.
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Metallfunde und andere Funde
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Auch die sonstigen Metallfunde erlauben Rückschlüsse über Tätigkeiten im Kloster: Ein schweres Eisenmesser mit anhaftenden Resten des hölzernen Griffs aus der karolingischen Schicht war ein universell verwendbares Werkzeug, ein Rebmesser aus dem 12./13. Jahrhundert bezeugt das Engagement des Klosters im Weinbau. Die eisernen Nägel, die in allen Fundschichten zu Tage traten, lassen sich zu einer Zeitreihe zusammenstellen und dokumentieren anschaulich den Wandel der Holzverarbeitungstechnik. Bronzene Objekte der Karolingerzeit und des Hochmittelalters geben Auskunft über die Tracht (kerbschnittverzierte Riemenzunge), die Kunst des Schreibens (Griffel) und sogar über Medizin im Kloster (punzverzierte Pinzette). Aus Blei waren Platten zur Dachdeckung und vor allem Bleiruten für verglaste Fenster hergestellt.
Einige Funde beleuchten schließlich auch das geistliche Leben im Kloster. Ein aus Geweih geschnitzter, viereckiger Deckel trägt eine Aufschrift und die Umschrift IN NOMINE DOMINI (Im Namen des Herrn). Er könnte ein Reliquienkästchen verschlossen oder den Deckel eines liturgischen Buches verziert haben. Buchschließen und Buchbeschläge sind Reste der einst blühenden Lorscher Bibliothek, eine Rosenkranzperle verweist ebenso auf den Bereich der privaten Frömmigkeit wie eine Pilgerflasche aus Blei und der Corpus eines Kruzifix aus weißem Pfeifenton.
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Spielsteine und -kugeln
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Der Alltag der Mönche in Kloster Lorsch wird schließlich auch durch Spielsteine aus Gagat und Schiefer sowie durch Spiel(?)kugeln aus Steinzeug dokumentiert. Eine überraschende Entdeckung stellen schließlich Fragmente von Dachschiefern dar, die eingeritzte Inschriften- und Ornamentreste tragen. Die Ornamente könnten einfache Zeichenübungen, vielleicht für Dekore der Buchmalerei, gewesen sein, oder lediglich zum Zeitvertreib eingeritzt worden sein. Die Wörter und Satzfetzen konnten von Dr. Sebastian Scholz entziffert werden, darunter der Teil eines geistlichen Spruchs, der gern auch als Glockeninschrift verwendet wurde.
Die Ergebnisse der Ausgrabungen sollen nicht allein den Inhalt wissenschaftlicher Veröffentlichungen bilden, sondern darüber hinaus auch bei der Gestaltung des Klostergeländes berücksichtigt werden. Es ist auch vorgesehen, daß die wichtigsten Funde nach Abschluß der Auswertung und Konservierung in Lorsch als Dauerausstellung gezeigt werden.
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Dr. Jakob Müller/Dr. Markus Sanke
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