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Säulchenbasis aus Buntsandstein mit attischem Profil
(wohl 9. Jahrhundert)
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Zungenblattkapitell aus Kalkstein
(9. Jahrhundert)
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Oberteil eines romanischen Kapitells (2. Hälfte 12. Jahrhundert). Das aus rotem Sandstein gefertigte Stück zeigt wie das Fragment oben enge Verbindung zur Wormser Dombauhütte
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Fragment eines römischen Altarsteins. Es bildete die rechte Seite einer giebelartigen Bekrönung über der Weiheninschrift.
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Fragmente vom gotischen Maßwerk aus weißem Sandstein.
Die Stücke stammen aus prämonstratensischer Zeit.
Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen
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Architekturfragmente des Klosters Lorsch
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Nun haben sie eine neue Heimat bekommen: Die rund 450 Architekturfragmente aus dem Kloster, bisher in der Zehntscheune untergebracht, lagern jetzt in einem modernen Depot im großen tonnengewölbten Keller des Kurfürstlichen Hauses vis á vis der Königshalle. Hinzu kommen rund 600 Fragmente von steinernen Plattenmosaikfußböden des neunten bis zwölften Jahrhunderts. Nur ein kleiner Teil des Bestandes wird derzeit im Rahmen einer provisorischen Ausstellung im Kirchenrest gezeigt, darunter so prominente Objekte wie der Sarkophag Ludwig des Deutschen. Der in der Mitte des Kirchenrests präsentierte Sandsteinsarkophag, gefunden in der Gruftkirche bei einer raubgräberischen Schatzsuche des Barons von Hausen im Jahr 1800, läßt sich einem der hier bestatteten ostfränkischen Karolinger zuordnen. Seine Verzierung mit flachen Pilastern, die ionische Kapitellchen tragen, stellt eine auffällige Beziehung zur Königshalle her.
Das Lorscher Lapidarium birgt mit dem Sarkophag und anderen herausragenden Zeugnissen karolingischer Bauornamentik und Steinmetzkunst einen der bedeutendsten Bestände Mitteleuropas aus dieser Zeit. Es enthält außerdem zahlreiche Fundstücke aus jüngeren Stilepochen, die bis heute allerdings die Stiefkinder der Forschung geblieben sind.
Nicht bei allen Architekturfragmenten ist die genaue Herkunft bekannt. Viele wurden bei den Ausgrabungen von Rudolf Adamy und Friedrich Behn gefunden; eine große Anzahl wurde entdeckt, als 1956 die Vermauerung der Arkaden des Kirchenrests durch moderne Wände ersetzt wurde. Mit größter Sorgfalt hatte man dabei selbst kleinste Bruchstücke aufbewahrt, die Bearbeitungsspuren trugen. Einige Objekte kamen beim Abbruch frühneuzeitlicher Gebäude, die aus Klostersteinen errichtet wurden, in Lorsch und den Nachbarorten zu Tage. So etwa das Viernheimer Kapitell, das heute im Kirchenrest gezeigt wird. Andere Stücke sind noch heute als Spolien außerhalb des Klostergeländes vermauert. Das Kloster wurde bei seinem Abbruch also im wörtlichen Sinn in alle Himmelsrichtungen zerstreut. Diese Reste systematisch zu erfassen, ist eine wichtige Aufgabe für die nächsten Jahre.
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Loscher Lapidarium
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Das einzige, was uns heute noch einen Eindruck vom Aussehen des karolingischen Klosters vermitteln kann, sind, neben den archäologischen Grundrißplänen, Architekturteile. Im Lorscher Lapidarium werden auch Stücke aufbewahrt, die von der verlorenen Ausstattung der Klosterkirche stammen dürften. Darunter sind mehrere qualitätvolle Zungenblattkapitelle aus Kalkstein, Umsetzungen des klassischen korinthischen Kapitells.
Sie lassen sich nach Werner Jacobsen etwa ins zweite oder dritte Jahrzehnt des neunten Jahrhunderts datieren, also ungefähr in die Zeit, als unter Abt Adalung das Innere der Kirche ausgestaltet wurde. Sie finden ihre nächsten Entsprechungen in Seligenstadt und könnten Teil einer Altarschrankenanlage gewesen sein. Zugehörig waren vielleicht Sandsteinsäulchen mit attischer Basis, wie sie ebenfalls mehrfach in Lorsch gefunden wurden. Doch nicht nur solche relativ gut erhaltenen Stücke, sondern auch kleinste Architekturfragmente können noch von kunsthistorischem und baugeschichtlichem Interesse sein: Dazu gehört ein nur etwa faustgroßes Bruchstück eines Kompositkapitells, das in Technik und Ausarbeitung den vier Kapitellen auf der Westseite sowie einem weiteren Kapitell auf der Ostseite der Königshalle eng verwandt ist, allerdings von einem wesentlich kleineren Werkstück stammt.
Welches Gebäude dieses sicher sehr qualitätvolle Kapitell trug, wissen wir nicht. Doch das kleine Fragment zeigt, ebenso wie zahlreiche Inkrustationssteine im Format der Außenhaut der Königshalle, daß diese in der Klosteranlage hinsichtlich ihrer Ausstattung kein singuläres Bauwerk war. Ein weiteres interessantes Fragment, ein Akanthusblattbruchstück, ebenfalls von einem Kalksteinkapitell, kam zu Tage, als im Zuge der Neuaufstellung des Lapidariums der gesamte Bestand neu inventarisiert wurde. Wie bei den Kapitellen der Königshalle ist noch nicht klar, ob es antiken oder karolinigischen Entstehungsdatums ist. Auffällig ist jedenfalls, daß die Verwendung von Kalkstein in Lorsch mit der Karolingerzeit zu enden scheint.
Eindeutig römisches Spolienmaterial findet sich nicht nur im Inneren des Obergeschosses der Königshalle vermauert, sondern wurde in den letzten hundert Jahren immer wieder an verschiedenen Stellen der Klosteranlage geborgen. Darunter sind auch die Reste von zwei Altarsteinen, deren primärer Aufstellungsort freilich unbekannt ist.
Von den in den Schriftquellen überlieferten umfangreichen Baumaßnahmen in romanischer Zeit zeugen neben dem Kirchenrest nur die Bruchstücke des Lorscher Lapidariums. Diese Funde vermögen vielleicht den scharfen Kontrast etwas abzumildern, der sich Besuchern heute im Vergleich zwischen der reich verzierten Königshalle und dem kahlen, seiner Ausstattung weitgehend beraubten romanischen Kirchenrest darbietet. Das Oberteil eines großen Kapitells - wir wissen nicht, wo im Kloster es ursprünglich verbaut war - findet seine unmittelbare Entsprechung am zwischen 1171 und 1181 errichteten Westchor des Wormser Doms (Abb. 8). Auch das ebenfalls abgebildete Fragment eines Kämpfers oder Gesimsstücks mit Palmettendekor dürfte in diesen lokalen Kunstzusammenhang gehören.
Wie die romanischen, so wurden auch die gotischen Architekturfragmente bisher wenig beachtet. Sie stammen aus der Zeit, als die Prämonstratensermönche die Klosteranlage für ihre Bedürfnisse herrichteten und umbauten. Zahlreiche Gewölberippen und Maßwerkfragmente zeigen, daß diese Baumaßnahmen durchaus nicht nur der Instandhaltung der Klosteranlage dienten.
Was sich heute im Bestand des Lorscher Lapidariums (einige weitere Fundstücke liegen im Hessischen Landesmuseum Darmstadt) befindet, ist sicher weit weniger als ein Prozent dessen, was ursprünglich im Kloster an Pfeilern, Säulen, Gesimsen und Kapitellen verbaut war und doch ist es eines der wenigen Fenster zu seiner Baugeschichte. Langfristig ist geplant, eine neue Dauerausstellung dieser Fragmente des Weltkulturerbes einzurichten. Einer der möglichen Unterbringungsorte wäre der Kirchenrest, dessen Seitenschiffe zu diesem Zweck modern rekonstruiert werden könnten.
Dr. Jakob Müller
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