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Blick vom Kirchenrest auf Ausgrabungen 1927/28 im Ostteil der Basilika.
Gut zu erkennen sind die tiefen Suchgräben, die vor der flächigen Untersuchung der Mauerausbuchtungen ins Gelände getrieben wurden.
Landesamt für Denkmalpflege Hessen
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Blick aus dem vor 1934 geöffneten Rundbogen der Westfassade des Kirchenrestes.
Landesamt für Denkmalpflege Hessen
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Der Kirchenrest vom südlichen Klostergebäude aus gesehen,
Zustand 1956.
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Der Kirchenrest heute. Hier ist das Lapidarium mit Fundstücken aus Grabungen der letzten hundert Jahre untergebracht.
Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen
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Prof. Dr. Friedrich Behn und seine Grabungsmannschaft. Hinter den Kipploren ist einer der mächtigen Aushubhaufen zu erkennen, die während der Untersuchungen bewegt wurden.
Landesamt für Denkmalpflege Hessen
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Ausgrabungen 1934 - 37 in der Klausur.
Die Untersuchungen wurden als reine Schuttberäumung durchgeführt, bis der Dünensand oder, wie hier im Bild sichtbar, alte Fußbodenniveaus erreicht wurden. Im Bildvordergrund rechts eine der Säulenbasen des großen Saales im Klausurwestflügel.
Landesamt für Denkmalpflege Hessen
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Wichtige Vorarbeit: Recherchen in Quellen und Literatur
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Die Klosteranlage der einst so mächtigen Benediktinerabtei zu Lorsch, von deren Größe heute noch ein romanischer Kirchenrest und die Torhalle zeugen, ist seit Jahrhunderten Gegenstand zahlreicher Veröffentlichungen. Die frühesten Nachrichten über die Errichtung und das Aussehen der einzelnen Klostergebäude sind uns durch das Chronicon Laureshamense und das Lorscher Totenbuch überliefert, zwei mittelalterliche, in Lorsch entstandene Quellen, in denen die Bautätigkeit der einzelnen Äbte ausschnitthaft und somit unvollständig dokumentiert wird. Für die Zeit nach 1320 ergibt sich eine Überlieferungslücke bis in das 17. Jahrhundert, die durch die Beschreibung Georg Helwichs beendet wird und den Zustand des Klosters kurz vor der Brandkatastrophe von 1621 wiedergibt, als spanische Truppen im Dreißigjährigen Krieg die Anlage niederbrannten; entsprechendes gilt für den Merianstich von ca. 1615.
Im 19. Jahrhundert erweckt Lorsch das Interesse der Kunsthistoriker und Archäologen; schon ab der Jahrhundertwende kommt es zu den ersten, kleineren Grabungen, die jedoch weitestgehend unpubliziert bleiben, bis Rudolf Adamy 1890 eine methodische Ausgrabung größeren Umfangs durchführt. Es gelingt ihm dabei, die Kirche und den anschließenden Vorhof in groben Zügen festzulegen; die Ergebnisse dieser Grabung werden von Adamy in der ersten umfassenden Monographie über Lorsch 1891 veröffentlicht. In den folgenden Jahren kommt es immer wieder zu kleineren Grabungen im Klosterbezirk, die jedoch zu wenigen neuen Erkenntnissen führen, da sie zum einen nicht ausreichend finanziert und zum anderen unzulänglich dokumentiert wurden.
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Ausgrabungskampagnen zwischen 1927 und 1937
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Erst die Ausgrabungen unter der Leitung von Friedrich Behn, die in drei großen Kampagnen zwischen 1927 und 1937 durchgeführt wurden, legten den Grundriß des Kirchenkomplexes endgültig fest und gaben weitere Aufschlüsse über die Bebauung des übrigen Geländes. Er verknüpfte seine Ausgrabungstätigkeit mit Bauforschung an Torhalle und Kirchenrest, eine Verbindung, die für die Forschung seiner Zeit als wegweisend gelten muß.
Die auf der Grundlage dieser Ergebnisse von Friedrich Behn vorgenommene Instandsetzung der noch erhaltenen Klostergebäude wirkt bis heute nach und bestimmt nicht nur die Rekonstruktion der Königshalle und ihrer Fresken. Auch die heutige Gartenanlage innerhalb der Klostermauern berücksichtigt in der Gestaltung von Wegen und Hecken die damaligen Grabungsergebnisse.
Aus dem Lorscher Codex und den Befunden Friedrich Behns läßt sich erschließen, daß der Kirchenkomplex um 1150 seine größte Ausdehnung hatte. Im Westen betrat man das Kloster durch ein mehrstöckiges Tor, das zugleich den westlichen Abschluß des Atriums bildete. Die heute noch erhaltene Königshalle stand unmittelbar hinter dem Westeingang, frei in dem eben erwähnten Hof, an dessen östlichem Ende sich der bis in unsere Tage bewahrte romanische Kirchenrest mit einer vorangestellten Zweiturmgruppe erstreckte. Im Anschluß daran erhob sich die 774 im Beisein Karls des Großen geweihte und nach dem Klosterbrand von 1090 wiederhergestellte dreischiffige Basilika, an die sich im Osten die ecclesia varia, die Grabkapelle der ostfränkischen Karolinger anschloß. Im Süden der Kirche lagen die Klausurgebäude um den Kreuzgang. Das ganze Gelände, auf dem noch zahlreiche Wohn- und Wirtschaftsbauten vorhanden gewesen sein müssen, war von einer Klostermauer mit mindestens drei weiteren Toren eingefaßt.
Die nach 1621 gänzlich abgetragene dreischiffige Basilika wurde 774 in weitestgehend fertigem Zustand geweiht. Schon Rudolf Adamy stieß bei seinen Ausgrabungen auf ihre Überreste, doch rekonstruierte er deren Umfang falsch. Erst Friedrich Behn gelang es, den Grundriß der Basilika zu erschließen, indem er die Steinraubgruben, die dem Verlauf der Mauerfundamente folgen, flächig freilegen ließ. Sie zeichneten sich als dunkle, mit Schutt verfüllte Streifen im hellen Dünensand deutlich ab. Dieser Negativabdruck der Klosterkirche im Boden umfaßt allerdings alle Bauphasen der mehrere hundert Jahre langen Baugeschichte der Basilika, und nicht alles, was Friedrich Behn dem karolingischen Ursprungsbau zuschreiben möchte, muß Ende des achten Jahrhunderts tatsächlich vorhanden gewesen sein. So zeigt uns der Merianstich beispielsweise den Chor in gotischen Bauformen und auch auf der Flurkarte von 1749 läßt sich ein polygonaler Chorschluß mit Strebepfeilern erahnen, was annehmen läßt, daß noch zur Zeit der Prämonstratensermönche umfangreichere Baumaßnahmen an der Basilika vorgenommen wurden.
Von der Basilika lassen sich nur Länge und Breite des Langhauses zuverlässig erschließen. Sie ist demnach in ihrer Größe in eine Reihe mit anderen bedeutenden karolingischen Kloster- und Bischofskirchen zu stellen. Der Chorschluß der karolingischen Klosterkirche von Lorsch ist unbekannt: Der von Behn angenommene Rechteckchor läßt sich anhand des Grabungsbefundes nicht belegen. Nach Westen schloß das Mittelschiff der Basilika mit einem querrechteckigen Westbau ab, der gegenüber den Seitenschiffen um fünf Meter hervorragte. Manche Forscher nehmen hier ein turmartiges Westwerk mit dreischiffiger Eingangshalle an, das von zwei rechteckigen, an die Seitenschiffe anschließenden Türmen flankiert wurde, doch läßt sich das Aussehen des Westbaus aus dem Grabungsbefund nicht sicher erschließen. Von der ursprünglichen Jocheinteilung der karolingischen Basilika fehlt jede Spur und es ist nicht sicher, daß die Spannweiten der Arkaden der romanischen Vorkirche auf die karolingische Basilika übertragen werden können.
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Gruftkapelle, Paradies und Zweiturmgruppe
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Über das Aussehen der aufgehenden Kirche gibt es keine zuverlässigen Nachrichten. Dafür berichtet der Lorscher Codex wiederholt und fast überschwenglich von ihrer kostbaren Ausstattung. Unter Abt Helmerich wurde eine Kassettendecke in die Kirche eingezogen, Abt Richbod verzierte den Altar des Nazariusgrabes mit Gold und Silber und begann den Boden der Basilika mit buntem Marmor belegen zu lassen, ein Unterfangen, das von seinen Nachfolgern noch fortgesetzt werden sollte. Die Funde, die bei den früheren Ausgrabungen im Klostergelände gemacht wurden, zeigen, daß die Quellen zurecht die Marmorfußböden der Kirche rühmten: Es wurden mehrere hundert kleine, exakt geschnittene Plättchen aus weißem, schwarzem und vereinzelt auch farbigem Marmor gefunden, die als Mosaiken in geometrischer Form verlegt waren und die uns einen schwachen Abglanz von dem ehemals prachtvollen Kircheninneren bieten.
Ein weiteres in karolingischer Zeit entstandenes Gebäude ist die ecclesia varia, die Gruftkapelle der ostfränkischen Karolinger. Der Baubeginn dieser Grablege, die unmittelbar an den Ostabschluß der Basilika anschließt, ist im Lorscher Codex für das Jahr 876 angegeben. Friedrich Behn gelang es, den Grundriß des Gebäudes anhand der Fundamentgräben zu rekonstruieren. Von der Gruftkapelle hat sich ein Rest des aufgehenden Mauerwerks der Nordwand erhalten. Die Verbindung zur Basilika wurde sicherlich über eine Treppe hergestellt, die einen Höhenunterschied von etwa vier Metern bewältigte. Unweit der Grabgruft wurden zahlreiche Mörtel- und bemalte Putzreste gefunden. Ihre Form läßt darauf schließen, daß die ecclesia varia halbrund, eingewölbt und mit Fenstern versehen war. Matthias Exner stellt die allgemein anerkannte Zugehörigkeit der Freskenreste zur ecclesia varia berechtigt in Frage und weist darauf hin, daß der Stil der Malereien auf ihre Entstehung eher in die erste Hälfte des neunten Jahrhunderts deutet.
Die Schriftquellen erwähnen auch ein Paradies, das unter Abt Gerbod (951 - 72) mit Bleiplatten gedeckt wurde. Am ehesten dürfte es sich um einen offenen Vorhof westlich der karolingischen Basilika handeln, ein Atrium. Es befand sich wahrscheinlich dort, wo heute der Rest der romanischen Vorkirche steht und die Quelle läßt offen, ob es von Gerbod umgebaut oder lediglich sein Dach erneuert wurde. Baureste dieses ältesten Atriums sind nicht überliefert.
Von der mächtigen Zweiturmgruppe, die dem ältesten Atrium im Westen vorgelagert war, ist heute nur noch ein Rest ihrer östlichen Front erhalten. Die übrigen Teile fielen einem weiteren verheerenden Brand im Jahre 1356 zum Opfer. Der heutige Besucher sieht, wenn er die Westfassade des Kirchenrests betrachtet, auf die innere Mauerschale der Zweiturmgruppe. Die Türme zeichnen sich deutlich in der Baufuge beiderseits des großen gotischen Maßwerkfensters ab. Der von Friedrich Behn begründeten Annahme, daß sich bereits in karolingischer Zeit der Abschluß des ältesten Atriums in Form einer Zweiturmgruppe darstellte, schließt sich die Forschung heute nicht mehr an. Im Augenblick geht man von einer Entstehung dieses Baugliedes in Anlehnung an die von Hirsau ausstrahlenden Architektur in den Jahren zwischen ca. 1070 und 1090 aus.
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Romanische Erweiterung der karolingischen Basilika
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Von der romanischen Erweiterung der karolingischen Basilika ist heute nur noch das Mittelschiff erhalten. Die Seitenschiffundamente, die in der Fortsetzung der karolingischen Basilika verliefen, ergrub Friedrich Behn in 3,5 m Abstand zu den heute vermauerten Mittelschiffarkaden. Er nahm an, daß die in Werkstein aufgeführten Arkaden auf eine ältere Bauphase der Vorkirche vor den Brand von 1090 zurückgehen. Die Obergadenzone aus weniger sorgfältigem Handquadermauerwerk soll dagegen erst als Reparatur nach dem Brand von 1090 errichtet worden sein. Eher ist jedoch daran zu denken, daß der Bereich oberhalb des Gesimses, das die Arkadenzone abschließt, ursprünglich verputzt war und deshalb auf qualitätvolleres Mauerwerk verzichtet werden konnte. Im Fundamentmauerwerk und in den Arkadenpfeilern der Vorkirche sind zahlreiche Werksteine älterer Bauten in Zweitverwendung vermauert.
Die romanische Kirchenerweiterung wurde nachträglich an die ältere Zweiturmgruppe angesetzt. Dabei brach man auch den großen Triumphbogen ein, der in vermauertem Zustand noch heute in der Westfassade des Kirchenrests zu erkennen ist. Legen wir die heute bevorzugte spätere Bauzeit der Zweiturmgruppe - kurz vor 1090 - zugrunde, so kann die Vorkirche erst nach dem Brand von 1090 entstanden sein. Auch die erhaltenen Pfeilerbasen, Kämpfer und Gesimssteine lassen sich am ehesten ins 12. Jahrhundert datieren. Dazu würde auch eine Nachricht des Codex Laureshamensis passen, daß während des Abbatiats von Folcnand (1141 - 48) die Kirche, die wegen ihres Alters und ihrer Kleinheit ihrer Würde durchaus nicht entsprach, erneuert und erweitert wurde. Diese wohl umfangreichen Baumaßnahmen fanden erst kurz nach der Neuweihe der wiederhergestellten Kirche im Jahre 1130 statt.
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Bei der von Friedrich Behn geleiteten Ausgrabung gelang es, die volle Ausdehnung des Atriums anhand der Fundamentgräben zu erschließen. Dabei stellte sich heraus, daß der von den Seitenschiffen flankierte Hof wesentlich breiter war, als noch von Rudolf Adamy angenommen. Mit der von ihm im Süden ergrabenen leeren Fundamentgrube, die in der Flucht der Nordwand des Forstwarthauses und einer Remise lag, glaubte Adamy, die äußere Seitenmauer des Atriums gefunden zu haben. Doch nach den Grabungen von 1932/33 mußte der Befund korrigiert werden; die von Adamy ergrabenen Fundamentspuren erwiesen sich als zu der inneren Seitenschiffwand gehörig, da Behn 6 m südlich auf die Fundamentreste einer parallel verlaufenden Mauer stieß, die den tatsächlichen Südabschluß des Atriums beschreibt; dieser Befund kann entsprechend auf die Nordseite des Vorhofs übertragen werden. Zudem widerlegte Behn die Rekonstruktion Adamys, wonach die Atriumsmauern im Westen rechtwinklig abknicken sollten, um an die Türme der Königshalle anzuschließen. Die behnschen Grabungen ergaben vielmehr, daß die inneren Seitenschiffmauern des Atriums in 2,5 m Entfernung an ihr vorbeilaufen und erst dahinter an einem mehrstöckigen Torbau endeten, der noch bis 1849 aufrecht stand. Behn nimmt auf Grundlage seiner Befunde auch an, daß die Zweiturmgruppe und das im Westen gelegene jüngere Atrium aus einem Guß sind, d. h. gleichzeitig erbaut wurden. Die im Zuge der Fundamentsanierung an der Königshalle durchgeführten Grabungen brachten keine neuen Hinweise zu ihrer Datierung.
Friedrich Behn veröffentlichte seine Ergebnisse 1934, kurz nach Abschluß der Untersuchungen an Westtor, Königshalle, Atrium und Klosterkirche in einer reich bebilderten Monographie. Weniger gut sind wir über seine umfangreichen Ausgrabungen im Bereich der Klausur und den anschließenden Bereichen bis zur Klostermauer unterrichtet. Die hier 1934 in Angriff genommenen archäologischen Untersuchungen wurden 1937 überstürzt eingestellt, als die Grabungsmannschaft - die Abteilung Ludwig der Deutsche des Reichsarbeitsdienstes - im Zuge der Kriegsvorbereitungen Deutschlands an den Westwall abkommandiert wurde. Das vorzeitige Ende der Grabungen und der Zweite Weltkrieg führten dazu, daß Behn seine Ergebnisse nur in kurzen Vorberichten publizierte. So konnten weder der genaue Umfang noch die Resultate seiner Untersuchungen wirklich beurteilt werden.
Die erhaltenen Grabungsfotos zeigen, daß wie im Kirchenbereich große Aushubmengen in kurzer Zeit bewältigt wurden: Behn wollte in erster Linie rasch einen vollständigen Klostergrundriß gewinnen. Dieses zügige Freiräumen von mittelalterlichen Befunden war damals charakteristisch für solche Großgrabungen und beispielsweise auch in der englischen Klosterarchäologie der dreißiger Jahre gang und gäbe. Da Behn nur einen geringen Wert auf die Dokumentation archäologisch relevanter Erdschichten legte und nur die ansehnlichsten Funde wie Münzen, bemalten Wandputz und Architekturteile aufheben ließ, gingen damals viele wichtige Informationsquellen verloren. Weder die Datierung noch die Funktion der von ihm freigelegten Gebäudespuren konnte so zweifelsfrei gesichert werden.
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Rätsel und Fragen
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Der Lorscher Codex berichtet, daß der vierte Abt von Lorsch, Richbod (784 - 804), die hölzernen Gebäude, in denen die Mönche bisher gewohnt hätten, von der Nordseite der Kirche auf ihre Südseite verlegte, also dorthin, wo auch in späterer Zeit die Klausurgebäude standen. Allerdings ist unklar, ob die Dimensionen des freigelegten Kreuzgangs und der an ihn anschließenden Klausurgebäude auf die karolingischen Baulichkeiten übertragen werden können, wie dies Behn annimmt: Der Merianstich zeigt zweistöckige Klausurgebäude in gotischen Bauformen, so daß zumindest erhebliche Umbauten seit der Karolingerzeit angenommen werden müssen.
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Auch von Friedrich Behn außerhalb der Klausur freigelegte Fundamentspuren geben Rätsel auf. So ergrub er angrenzend an den Klausurostflügel ein gedrungenes Gebäude von 11,70 m Gesamtlänge, das er als kleinen Sakralbau mit Rechteckchor interpretierte. Er möchte es mit der ecclesia triplex gleichsetzen, die Richbod zusammen mit dem Dormitorium, das wir im Klausurostflügel annehmen können, errichtete (dormitorium quoque cum aecclesia triplici fecit). Weder die Form des kleinen Rechteckchors noch die von Behn angenommene Dreischiffigkeit des Gebäudes wirken jedoch ganz überzeugend, da sich unsere Kenntnis von karolingischen Kleinkirchen seit den dreißiger Jahren erheblich verbessert hat. Ein weiteres merkwürdiges Gebäude ist das südöstlich der Klausur freigelegte Südosttor. Behn rekonstruierte eine Halle mit vier breiten Tordurchgängen, die seiner Meinung nach im Hochmittelalter nach dem Vorbild der Königshalle als fünftes Klostertor errichtet worden sei. Weder die topographische Situation an einer der steilsten Stellen der Klosterdüne noch die geringe Höhe der Bögen sprechen indes für einen repräsentativen Zugang an dieser Stelle und so ist die Interpretation des Ausgräbers bereits früh angezweifelt worden.
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Die Baugeschichte der Klausur und der an sie angrenzenden Klosterstadt birgt also noch viele Fragen. Ein wichtiger Schlüssel zu ihrer Klärung ist die seit kurzem wieder für die Forschung zugängliche Grabungsdokumentation der Jahre 1934 bis 1937, die in Verbindung mit den Georadaruntersuchungen und neuen Ausgrabungen wissenschaftlich ausgewertet wird.
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Andrea Hiebel M.A./Dr. Jakob Müller
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