 |
 |
 |
Im Museumszentrum stehen dem Landesmuseum zwei Geschosse und ein Spitzbogen zur Verfügung. Ausstellungsschwerpunkt ist die Alltagskultur Hessens. Themen sind die holzverarbeitenden Handwerke in den hessischen Mittelgebirgen, den ehemaligen Notstandsgebieten.
Den Anfang dieser Abteilung und gleichzeitig des gesamten Museumsrundgangs bildet der Wald, dessen gewerbliche und landwirtschaftliche Nutzformen im Vordergrund stehen. Es folgt die Präsentation verschiedener Gewerbe wie der Wagner, der Rechenmacher und der Löffelschnitzer, die die Bedeutung des Rohstoffes Holz und seiner Produkte in der Geschichte Hessens, des wohl waldreichensten Bundeslandes, verdeutlichen. Neben der reinen Handarbeit werden auch die Übergänge in die Industrialisierung gezeigt.
So erwarb das Landesmuseum komplette Werkstattinventare einer Tischfabrik mit Transmissionsbetrieb und eine Odenwälder Pfeifenfabrik mit Fräsen und Drehbänken. Letztere bildet die Überleitung zum städtischen Tabakmuseum mit einer Sammlung historischer Pfeifen. Ferner ist volkstümliche Keramik, wie Irdenware und Steinzeug aus Mittel- und Südhessen, ausgestellt. Neben Beispielen aus dem Mittelalter und der frühen Neuzeit wird das Haushaltsgeschirr des 18. und 19. Jahrhunderts präsentiert. Einen weiteren Schwerpunkt stellt die Ausstellungseinheit Wohnen dar. Hier sind im Wechsel ländliche Möbel, Bauernmöbel, wie Schränke, Truhen, Tische und Betten aus dem Fundus des Hessischen Landesmuseums, vorgesehen.
Besonders thematisiert werden die Arbeit und der Arbeitsplatz der Hausfrau mit Möbeln und Geräten. Eine Besonderheit stellt hier ein gemauerter Herd mit offener Feuerstelle und schornsteinloser Rauchhaube aus dem Altenteil eines oberhessischen Hofes dar. Ofen mit Rauchabzug wurde zum Transport nicht zerlegt. Dadurch bleib die Bedeutung dieses frühen Zeugnisses hessischer Alltagskultur erhalten. Außer der traditionellen ländlichen Küche wird auch eine städtische Arbeiterküche, die sogenannte Frankfurter Küche von Margarete Schütte-Lihotzki aus der May-Siedlung in Frankfurt-Westhausen, gezeigt. Küchengerätschaften aus verschiedenen Materialien, so in Kupfer und Messing, vervollständigen das Bild der Hausarbeit im 18. und 19. Jahrhundert. Ferner wird auf die Geschichte der häuslichen Hygiene mit ihren sanitären Einrichtungen eingegangen.
Des weiteren erfährt der Besucher Probleme der Gegenwart wie der wachsende Energiebedarf, das Abfallaufkommen und das Waldsterben. Im Erwerb und in der Präsentation der Werkstätten und Möbelensembles bemüht sich das Museum um authentische Einheiten. Letztere tragen auch zur Illustration der traditionellen Rollenzuweisung von Mann und Frau bei. Dem Besucher stehen neben Wandtexten Modelle, Videofilme und Tonbandaufnahmen als Hintergrundinformation zur Verfügung.
Dr. Walter Stolle
zum Textanfang
|
|
|