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Die klostergeschichtliche Abteilung der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen ist kein Museum im herkömmlichen Sinn: Die meisten der gezeigten Stücke sind Nachbildungen und Repliken. Modelle, Karten und die meisten anderen Exponate sind eigens für diese Dauerausstellung hergestellt worden. Im Eingangsbereich werden anhand großformatigen Karten- und Bildmaterials grundlegende Informationen zur Geschichte des karolingischen Großreiches und des westlich-lateinischen Mönchtums geboten.
Für das Verstehen der engen Verflechtungen zwischen Politik und Kirche, Herrscher und Kloster, ist auch ein Eindruck von den wirtschaftlichen Voraussetzungen dieser Symbiose notwendig - großflächige Modelle zeigen in eindrucksvoller Weise das beschwerliche Leben der Landbewohner in unserer Region, auf deren Schultern weltliche wie geistliche Grundherrschaften lasteten. Modelle ganz anderer Art dienen der Veranschaulichung des Themenschwerpunktes Sakralarchitektur in der Karolingerzeit. Ausgehend von der einfachsten Form eines Kirchengebäudes, der Saalkirche, werden weitere wichtige Grundformen frühmittelalterlicher Kirchen - und Klosteranlagen in Längsschnittmodellen vorgestellt und erklärt: die Querhausbasilika römischen Typs, die kleine, gestauchte Zellenbasilika und schließlich der Zentralbau. Das einstige Aussehen der Lorscher Kirche und Klosteranlage wird in einer Computersimulation als Videofilm vorgeführt.
Nicht nur Architektur, sondern auch Bauplastik und Zierkunst gehören zum frühmittelalterlichen Sakralraum: Die Umschrankungen karolingischer Altäre, die Pracht kunstvollen Altargeräts, von dem sich aus dieser frühen Zeit so wenig erhalten hat, werden in optische und Beziehungen gesetzt zur Gestaltung des sakralen Raumes ebenso wie zum täglichen Gebetsdienst der Mönche. Totengedenken, Gebet und Fürbitte, Buße und Kontemplation, Psalmengesang und Messe: fast das gesamte Spektrum religiöser Andachtsübungen im Alltag eines Mönches im frühen Mittelalter läßt sich noch mit Hilfe von Repliken aus Lorscher Manuskripten liturgischen Inhalts eindrucksvoll nachvollziehen. Zwei der bedeutendsten Handschriften Lorscher Provenienz werden im Faksimile gezeigt: das am Hof Karls des Großen entstandene, prachtvoll ausgestattete und ganz in Goldtinte geschriebene Lorscher Evangliar und der Lorscher Rotulus, eine Heiligenlitanei, zugleich die älteste liturgische Buchrolle des Abendlandes.
Schreiben war Gottesdienst. Bücher galten als kostbarer Bestandteil des Kirchenschatzes. Die Inszenierung einer Schreibstube läßt den Besucher Einblick gewinnen in die Bedingungen, unter denen die Lorscher Bibliothek, die einst zu den bedeutendsten ihrer Art gehörte, im Lauf der Jahrhunderte entstanden ist. Einen Querschnitt des Lorscher Buchbestandes geben Reproduktionen aus Handschriften, die heute weltweit verstreut sind. Das über dieser Vitrine angebrachte Epitaph eines Lorscher Klosterlehrers zeigt, daß nicht nur das Schreiben, sondern auch das Vermitteln der Kultsprache Latein, in der diese Bücher geschrieben sind, ein mühsames Geschäft gewesen sein muß. Materielle Kostbarkeiten, die auf Schrift und Zierde verwendete Sorgfalt und schließlich der Schmuck des Einbandes lassen das Buch des Mittelalters als Gesamtkunstwerk erscheinen, als bedeutungsvollen Bestandteil des Kunstwollens und Selbstverständnisses einer Epoche, die verbindend zwischen Antike und Mittelalter steht.
Dr. Hermann Schefers
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