In Südhessen waren, wie in vielen anderen Gegenden, über dreihundert Jahre der Tabakanbau und über einhundert Jahre die Tabakverarbeitung bedeutende Faktoren der Landwirtschaft und des einheimischen Gewerbes. Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde erstmals zwischen 1670 und 1680 in Lorsch Tabak angebaut: die letzte Zigarrenfabrik schloß 1983 ihre Pforten.

Aus einer Sonderausstellung des Heimat- und Kulturvereins Lorsch, die Objekte und Dokumente zum Tabakanbau und zur Tabakverarbeitung zeigte, entwickelte sich das Tabakmuseum, das heute als eine der drei Abteilungen des Museumszentrums Lorsch zu sehen ist.Das Museum, das überregional ausgerichtet ist, informiert über Tabakanbau, -ernte, -verarbeitung und -konsum. So zeigt eine Fotosammlung das Säen, Pflanzen, Ernten und den Verkauf des Tabaks.

Die Tabakverarbeitung und Zigarrenherstellung wird an Originalen anschaulich dargestellt. So ist es gelungen, aus stillgelegten Zigarrenfabriken den für die Zigarrenherstellung notwendigen Maschinenpark zu erwerben und im Museum zu präsentieren. Informiert wird auch über den sozialgeschichtlichen Hintergrund, über Tabakbauvereine, Tabakverordnungen, Kinder- und Heimarbeit sowie über Tabakarbeiterbewegungen seit Beginn der Industrialisierung.

Einen großen Raum nehmen kulturgeschichtlich und kunstgeschichtlich wertvolle Objekte „rund um Tabak” ein. Tabakdosen, Tabaktöpfe und Pfeifen, Zigarren- und Zigarettenhalter, Rauchergarnituren und Rauchertische aus verschiedenen Materialien zählen zu den mitunter kuriosen, Schauobjekten ; so z. B. die im Guiness-Buch der Rekorde eingetragene größte rauchbare Pfeife der Welt.

Berühmte Zigarrenraucher werden vorgestellt, unter anderen Ludwig Erhard, Manfred Rommel und Christian Stock, der vom Zigarrenarbeiter zum ersten Ministerpräsidenten des Landes Hessen aufstieg (1946 bis 1950). Den Abschluß der Dokumentation bildet das Thema „Rauchen und Gesundheit”. Ausgewählte Themen zur Stadtgeschichte werden in jeweils wechselnden Ausstellungen in den Räumen des Alten Rathauses in unmittelbarer Nähe des Museumszentrums vorgestellt.

Paul Schnitzer/Reinhard Diehl



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