„Ein Wunder an Pracht und Schönheit“ – das Gold der Vergangenheit in Lorsch

Fund des Monats in der Zehntscheune ist ein Zeugnis wertvoller Wandmalerei

Seit 2020 präsentiert und erläutert das UNESCO Welterbe Kloster Lorsch in der Reihe „Fund des Monats“ immer zum Monatsbeginn in den Räumen des Schaudepots Zehntscheune ein Objekt, das bei Ausgrabungen auf dem Klosterhügel geborgen wurde. Im August ist dies ein vergoldetes Fragment aus einem großflächigen, bemalten Wandverputz – sehr wahrscheinlich aus der frühmittelalterlichen Klosterkirche.

Wie der Leiter der Welterbestätte, Dr. Hermann Schefers, am Montag, den 27. Juli mitteilte, gehen Expert*innen bisher davon aus, dass das Fragment aus dem 8. bis 10. Jahrhundert stamme. Sicherheit gebe es aber keinesfalls. Gefunden wurde es im Bereich einer Baugrube unterhalb des hoch- bis spätmittelalterlichen Infirmariums (Krankensaal der Mönche), deren jüngste Funde dem 13. Jahrhundert zuzuordnen sind.

Das bedeutet, dass das Fragment im 13. Jahrhundert bereits ein Bruchstück war und in die Baugrube des Mönchskrankenhauses gelangte. Bereits der Prähistoriker Friedrich Behn (1883-1970) hatte in der Nähe der einstigen Basilika größere Mengen an Putzfragmenten mit Malereiresten gefunden. Sie wurden nach Darmstadt gebracht und gingen dort in der Bombennacht vom 11. September 1944 verloren. Heute sind nur noch sehr wenige Überreste erhalten.

Doch kann, so Schefers, die zeitliche Zuordnung des Putzstückes infrage gestellt werden. Zweifellos erzählten die angeführten Fragmente von der einst reichen Ausstattung der Basilika in benediktinischer Zeit – also der Zeit zwischen der Epoche der Karolinger und der Phase des Umbruchs im 13. Jahrhundert. In diesen Zeitraum fällt die Brandkatastrophe des Jahres 1090, in deren Folge Teile der Klosterkirche abgebrochen und neu errichtet werden musste. Weihedaten belegen die Abschlüsse dieser Baumaßnahmen bis 1130.

Im 13. Jahrhundert hingegen mag der Chor der Kirche seinen gotischen Abschluss erhalten und ab 1266 eine ältere Konstruktion ersetzt haben. Dies ist einem Eintrag im Lorscher Codex zu entnehmen. Das bemalte Putzfragment in Lorsch könnte damit auch aus dem 11. Jahrhundert stammen und dem neu errichteten Chorbereich der einst romanischen Basilika zugeordnet werden.

Das Kloster befand sich damals auf einem seiner Höhepunkte politischer, kultureller und wirtschaftlicher Strahlkraft und Macht. Im wichtigsten Raum des Klosters, dem Psallierchor und Altarraum, werde man sicher nicht an der Ausstattung gespart haben, erläutert Schefers. Leider berichte keine Quelle davon, stattdessen: „Ein Wunder an Pracht und Schönheit“ sei das Kloster gewesen.

Hier und da erfahre man von Bereicherungen des Kirchenschatzes, der liturgischen Geräte, von Altarverkleidungen und Schmuckfußböden und kostbaren Textilien. Wandmalereien werden nicht erwähnt, da sie in dieser Zeit zu selbstverständlich gewesen seien. Mit Sicherheit seien die Flächen oberhalb der die Seitenschiffe vom Mittelschiff scheidenden Arkaden ausgemalt, ebenso die Ostpartie. Klosterkirchen wie St. Johann in Müstair oder Reichenau-Niederzell zeigen in eindrucksvoller Weise, wie man sich einen gemalten Wandschmuck vorstellen kann.

Das Besondere im Zehntscheunen-Fragment sei der Auftrag echten Goldes, wie man es aus der Werkstatt klösterlicher Zierkünstler oder dem Skriptorium der Abtei kenne, wo es in der Buchmalerei zum Einsatz kam. In der Wandmalerei hingegen sei die Verwendung von Gold eher ungewöhnlich. Es könne nur als Hinweis auf die Qualität und den materiellen Aufwand und damit auf die Wohlhabenheit des Klosters verstanden werden.

Leider sei das Fragment zu klein, um erkennen zu können, in welchem ikonographischen Zusammenhang es stand. Zwei kräftige schwarze Linien laufen auf einen Schnittpunkt zu und grenzen ein rotes Feld von der schwarzgerahmten dreieckigen Fläche ab, die in Gänze vergoldet ist. Bis heute hat das Stück nichts von seinem einstigen Glanz verloren.

X