Kloster Lorsch

Die virtuelle Bibliothek

Mittlerweile abgeschlossen ist die Digitalisierung der heute noch vorhandenen Bestände der Bibliotheca Laureshamensis. Kann man die Bedeutung des Klosters Lorsch im Wesentlichen auf  bauliche und archäologische Hinterlassenschaften, die sechs europäische Staaten übergreifende Grundherrschaft und schließlich auf eine der großen Bibliotheken des frühen Mittelalters beziehen, so kommt der geistes- und kulturgeschichtlichen Komponente dieses Ortes eine besondere Position zu.

Bücher und Urkunden sind die wichtigsten Zeugen dieses für ein Kloster so wichtigen Tätigkeitsspektrums. Sie sind heute weltweit verstreut und werden es auch bleiben. Aber dank der Initiative des Landes Hessen, des Know How der Universitätsbibliothek Heidelberg und der Zustimmung aller beteiligten Bibliotheken und Archive ist es möglich geworden, die Schätze der einstigen Lorscher Bibliothek virtuell wieder zusammenzustellen und, was noch vor wenigen Jahrzehnten kaum denkbar war, allen interessierten Menschen zugänglich zu machen.

Dass wir heute wissen, welche Bücher Lorsch als Bibliothek- oder Schriftheimat haben, verdanken wir den Forschungen des großen Münchener Paläographen und Mittellateiners Bernhard Bischoff; die virtuelle Bibliothek wiederum  wird den Anstoß zur Erforschung der Inhalte der Bibliothek geben.

Das virtuelle Archiv  

Die Rekonstruktion des Lorscher Archivs ist einfach und schwierig zugleich: Die meisten Urkunden des Klosters vor 1200 sind im so genannten Lorscher Codex enthalten. Mehr oder weniger vollständig überliefert, geben sie vor allem eine Vorstellung davon, wie sich Lorsch als politischer Faktor, als ökonomisches Zentrum, aber durchaus auch als geistig-geistliche Größe entwickelte, formte und bewährte.

Dann aber kommen die bekannten Zäsuren: der Klosterbrand von 1090, ab dem manche namhafte Forscher  das Kloster in einer sich beständig beschleunigenden Abwärtsspirale sehen. Noch augenfälliger ist sicher die Vereinnahmung der alten Reichsabtei durch Mainz. Dadurch wurde Lorsch nicht nur von einem Benediktinerkloster zu einem Prämonstratenserstift, sondern auch in seinem Wirkungsbereich stark beschnitten.

Dass es aber durchaus nicht so war, dass das Kloster in absolute Bedeutungs- und Überlieferungslosigkeit geriet, zeigen uns vor allem die erhaltenen Urkunden. Anders als der Lorscher Codex und erst im Rahmen eines von der Welterbestätte ausgehenden Forschungsprojekts können sie als durchaus lohnendes Forschungsvorhaben beschrieben werden. Rund 200 Originalurkunden dürften noch existieren, ein Vielfaches in Form abgekürzt überlieferter Abschriften ist in einem Lorscher Kartular in Darmstadt erhalten, außerdem eine noch unbekannte Menge an Dokumenten, die wir aus alten Drucken, Zitaten, Rückverweisen usw. noch gewinnen können. 

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