Tiere

Für das Verständnis der frühmittelalterlichen Lebenswirklichkeit sind  Nutztiere von großer Bedeutung. Aus diesem Grund werden in Lauresham verschiedene Nutztierrassen gehalten, die – soweit möglich – dem mittelalterlichen Phänotyp nahe kommen sollen und die, wie im Falle der beiden Museumsochsen David und Darius, auch bei landwirtschaftlichen Arbeiten eingesetzt werden. Da die Nutztiere des Mittelalters in der Regel deutlich kleiner als unsere heutigen Wirtschaftsrassen waren, muss für die Auswahl geeigneter Tiere zumeist auf alte, fast schon in Vergessenheit geratene Nutztiere oder auf Rückzüchtungen bereits ausgestorbener Rassen zurückgegriffen werden. Gerade im ersten Fall hat dies den positiven Nebeneffekt, dass hier auch ein aktiver Beitrag zum Erhalt bedrohter Nutztierrassen geleistet werden kann. In Bezug auf Rückzüchtungsprogramme arbeitet das Experimentalarchäologische Freilichtlabor Lauresham in Kooperation mit dem Förderkreis Große Pflanzenfresser im Kreis Bergstraße e.V. und dem Landschaftspflegebetrieb Hohmeyer seit 2014 am Aufbau eines Zuchtprojektes zur Rückzüchtung des 1627 ausgerotteten Auerochsen.
Das Capitulare de villis, die Krongüterverordnung Karls des Großen, verdeutlicht anschaulich, welche Bedeutung einem reichem Tierbestand auf Krongütern (aber auch auf anderen Wirtschaftshöfen) zugemessen wurde. So heißt es dort in Kapitel 23:

„In unaquaeque villa nostra habeant iudices vaccaritias, porcaritias, berbicaritias, capraritias, hircaritias, quantum plus potuerint et nullatenus sine hoc esse debent.

Auf jedem unsere Krongüter sollen die Amtmänner einen möglichst großen Bestand an Kühen, Schweinen, Schafen, Ziegen und Böcken halten; fehlen darf dies Vieh niemals.”
(Zitiert nach WIES, Ernst: Capitulare de villis et curtis imperialibus. Verordnung über die Krongüter und Reichshöfe, Aachen 1992, S. 55.)

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