Lorscher Arzneibuch (UNESCO Weltdokumentenerbe)

Das Lorscher Arzneibuch ist das älteste erhaltene medizinische Buch des abendländischen Frühmittelalters. Es wurde Ende des 8. Jahrhunderts durch verschiedene, nicht namentlich bekannte Personen geschrieben. Es umfasst auf 75 Kalbspergament-Seiten 482 Rezepturen griechisch-römischer Tradition sowie medizintheoretische und –praktische Schriften in lateinischer Sprache. Das planmäßig angelegte Kompendium ist als Nachschlagewerk für die praktische Anwendung sowie als ein in die Klostermedizin einführendes Lehrbuch verfasst.

Das Lorscher Arzneibuch markiert den Beginn der modernen Medizin im westlichen Abendland, was auf einer Neubewertung der antiken Medizin durch den anonymen Verfasser des Vorwortes gründet. Darin verbindet der Autor die Erkenntnisse der antiken Medizin mit den Inhalten des christlichen Glaubens und leitet her, dass die Fähigkeit, andere zu heilen, ein direktes Gebot christlicher Nächstenliebe und damit ein Beweis der Liebe Gottes zu den Menschen sei. Damit war die Stigmatisierung der Medizin und Heilkunst als „unstatthafter Eingriff in den Heilsplan Gottes“ überwunden.

Das Lorscher Arzneibuch ist ebenfalls ein eindrucksvoller Beweis für das Verdienst der Karolinger, die die Brücke zwischen zwei Kulturen schlugen, wie sie gegensätzlicher nicht sein könnten: von der heidnischen Antike zur christlichen Moderne. Und zwar, indem sie die Errungenschaften der Antike zu schätzen und zu nutzen wussten, statt sie zu verwerfen oder gar zu zerstören.

Vor etwa tausend Jahren gelangte die Handschrift durch Kaiser Heinrich II. nach Bamberg, wo sie bis heute verblieb. Das Lorscher Arzneibuch ist mittlerweile jedoch als Volldigitalisat zugänglich.

Die UNESCO zeichnete das Lorscher Arzneibuch als „herausragendes Dokument frühmittelalterlicher Klostermedizin“ 2013 durch die Aufnahme in das UNESCO-Weltdokumentenerbe aus.

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