BILDUNG & VERMITTLUNG

Unser Angebot ist offen für alle, die sich für Kloster und Klosterleben oder den Alltag auf einem frühmittelalterlichen Herrenhof interessieren. Die meisten unserer Themen eignen sich für verschiedene Alters- und Zielgruppen. Für Ihre Vereinsjugend, für die Ferienspiele Ihrer Stadt oder Gemeinde, genauso wie für die ganze Familie und die Geburtstagsfeier von kleinen und großen Gästen, die Sie mal nicht zu Hause, sondern im Museum feiern möchten.

Und für die Schulen gilt: Unsere Workshops sind an den Lehrplänen orientiert, so dass sich Bezüge zu verschiedenen Fächern ergeben. Das Programm richtet sich an alle Klassenstufen und Schulformen.

Museumspädagogische Ziele

Geschichte zum Anfassen ist das Ziel unserer Museums- und Welterbepädagogik. Aber nicht nur das Anfassen historischer Gegenstände eröffnet den Zugang zur Geschichte, sondern vielleicht sogar mehr noch das eigene Ausprobieren! Wie mag es sich wohl angefühlt haben, als Novize in einer Mönchskutte zu stecken? Was muss man alles tun, um aus Federn unserer Klostergänse ein Schreibinstrument zu machen, das nicht nur kleckst? Woraus wurden Arzneimittel hergestellt? Womit wurde im Mittelalter gespielt? Welche Fingerfertigkeit braucht man zum Elfenbeinschnitzen?

Eines steht fest, die Arbeitsschritte und Techniken des Mittelalters erforderten Zeit und Geschick. Heute machen wir deshalb einiges einfacher, das ist klar: Die mühsame Arbeit eines Elfenbeinschnitzers vollziehen wir mit Hilfe von Kernseife nach. Die Stempel für die kunstvollen Motive der tönernen Bodenfliesen werden nicht geschnitzt, sondern aus Holz und Moosgummi hergestellt. Richtig „echt“ geht es dann wieder zu, wenn wir Salben und Hustenmedizin nach den im Lorscher Arzneibuch überlieferten Rezepten herstellen und aus echtem Bienenwachs Kerzen ziehen.

Überall wo es möglich ist, setzen wir authentische Materialien ein. Unsere erlebnispädagogischen Aktionen haben immer einen praktischen Teil, bei dem man etwas ausprobieren kann.

Vermittlungskonzept Lauresham

In Bezug auf die Vermittlungsarbeit erfüllt insbesondere das Freilichtlabor Lauresham gleich mehrere Funktionen innerhalb der didaktischen Gesamtkonzeption der Welterbestätte Kloster Lorsch. Zum einen vermittelt es einen facettenreichen Einblick in die Lebenswirklichkeit der frühmittelalterlichen Menschen und rückt damit das Thema Alltagskultur im Frühmittelalter stärker in den Fokus. Gerade hier zeigen sich die Vorteile eines 1:1-Modells sehr deutlich. Denn dieses Konzept erlaubt einen sehr direkten und noch dazu lebhaften Zugang zu Themen wie Hausbau, Wohnkomfort, Handwerk, Tierhaltung, Landwirtschaft oder auch Luxus. So gelingt es, auf einfache und spielerische Art und Weise herrschende Klischees über das angeblich so „dunkle Mittelalter“ zu überdenken und zu zeigen, dass in dieser Epoche die Grundlagen unterschiedlichster Aspekte der heutigen Zeit geschaffen wurden. 

Zum anderen ermöglicht Lauresham Zugang zum Thema der Grundherrschaft, was für das Verständnis des frühmittelalterlichen Klosters Lorsch zentral ist. Denn die ansonsten eher abstrakter Ordnungsbegriffe und Organisationsmuster, können hier anhand einer Grundherrschaft innerhalb eines Herrenhofs recht anschaulich verdeutlicht werden.

Im Rahmen der didaktischen Konzeption soll Lauresham deshalb auch als Zentrum eines kleinen Grundherrschaftsverbandes verstanden werden mit dem zentralen Hof als Lebensmittelpunkt einer Familie der frühmittelalterlichen Oberschicht (nobilitas). Dazu gehör(t)en unfreie Hörigen (servi, mancipia), ein Herrenhof galt aber auch als Sammelpunkt für Abgaben aus zum Teil weit entfernt gelegenen Besitzungen. Die im Freilichtlabor repräsentierten unterschiedlichen Häuser sollen folglich nicht nur die wirtschaftliche Komplexität der Grundherrschaft verdeutlichen, sondern auch das sich darin widerspiegelnde Sozialgefüge zum Vorschein bringen. Deshalb wird den einfachen Wohn- und Wirtschaftsgebäuden der hörigen Bauernfamilien das luxuriös ausgestattete Herrenhaus gegenübergestellt.

Mit dem Konzept Lauresham kann zudem ein Eindruck von klösterlichem Grundbesitz gewonnen werden. Denn viele Grundherren schenkten aus Sorge um ihr Seelenheil ihre Besitztümer den Heiligen der Klöster. Dies ermöglichte bspw. dem Kloster Lorsch eine Ausdehnung des Grundherrschaftsverbandes von der niederländischen Nordseeküste bis ins Schweizer Graubünden. Dabei konnten derartige Herrenhöfe wie (das fiktive) Lauresham oft wichtige Funktionen innerhalb des Abgaben- und Frondienstsystems einer solchen geistlichen Gemeinschaft einnehmen.

Nicht zuletzt erlaubt die didaktische Umsetzung von Lauresham auch einen direkteren Zugang zum Themenkomplex Glaube und Kirche, der aufgrund des fragmentarischen Charakters der Klosteranlage vor Ort nicht immer einfach ist. Eine besondere Rolle nimmt dabei auch die (re)konstruierte Kapelle ein. Als einziger Steinbau auf dem Freilichtgelände können dort Bauskulptur und Ausstattungsgegenstände in einem zusammenhängenden Kontext gezeigt werden. Lauresham erfüllt deshalb auch die besondere Aufgabe, das heute weitestgehend zerstörte Kloster Lorsch besser verstehen zu lernen. Selbst die Torhalle ist anhand der Kapelle von Lauresham besser vorstellbar, entspricht doch der Dachneigungswinkel der Kapelle exakt dem der heute durch das gotische Tonnengewölbe veränderten karolingerzeitlichen Torhalle.

X