Anthropologieraum

Unter den vielen archäologischen Funden, die in Lorsch aufbewahrt und erforscht werden, ragen zwei Fundgruppen ganz besonders hervor: menschliche und tierische Überreste. Die Beschäftigung mit Skeletten ist insbesondere die Aufgabe der Anthropologie, aber auch der Medizin und einer Reihe von Naturwissenschaften. In enger Verbindung zu den Reiss-Engelhorn-Museen und den dort vorhandenen deutschlandweit einzigartigen archäometrischen Möglichkeiten, geht die Wissenschaft vom Menschen den einstigen Bewohner*innen des Klosters nach. Das waren keineswegs nur Mönche und Chorherren, sondern auch Leibeigene, Diener und Mägde, Männer, Frauen, Kinder – die „familia“ des Klosters also. Wie haben sie ausgesehen? Von woher sind sie nach Lorsch gekommen? Wie alt sind sie geworden, wann haben sie gelebt, wovon haben sie sich ernährt, welche Krankheiten hatten sie, welchen Arbeiten sind sie nachgegangen? Viele dieser Fragen lassen sich immer besser beantworten und so ist es jetzt schon möglich, den namenlosen Individuen von den unterschiedlichen Bestattungsorten des Klosters und seiner engsten Umgebung ein Stück weit näher zu kommen.

Im Aufbau befindet sich eine archäozoologische Sammlung. Zehntausende von kleinen und kleinsten Partikeln tierischer Überreste sind in den letzten Jahren von der Archäozoologin Kerstin Pasda (Kassel) untersucht worden und lassen eine erste Befundanalyse auf der Grundlage einer repräsentativen Menge von Material zu. Dieses kann durch die Zugehörigkeit zu datierten Schichten dem Früh-, Hoch- und Spätmittelalter zugeordnet werden. Da es sich größtenteils um Speiseabfälle handelt, lässt sich das Nahrungsangebot an einem so bedeutenden Herrschaftszentrum, wie es das Kloster Lorsch einmal gewesen ist, näher bestimmen. Dabei mag auch das eine oder andere importierte Nahrungsmittel sein. Die meisten tierischen Überreste aber stammen aus der näheren und nächsten Umgebung des Klosters und erlauben somit eine Rekonstruktion der Umwelt und der Artenvielfalt vor vielen Jahrhunderten.

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