Auerrindprojekt

Bis zu seinem Aussterben im 17. Jahrhundert prägte der Auerochse (lat. Urus) wie kaum ein anderer großer Pflanzenfresser (Herbivore) die von ihm bewohnten Ökosysteme. Durch sein Fressverhalten schuf er halboffene Landschaften, die sich durch eine besonders hohe Artenvielfalt auszeichneten.Heute sind diese artenreichen Lebensräume in Europa so gut wie verschwunden.
Das Auerrindprojekt des Freilichtlabors Lauresham versucht, eine Rinderrasse zu züchten, die dem Auerochsen sowohl in Bezug auf sein Erscheinungsbild als auch hinsichtlich seines Verhaltens und seiner Genetik möglichst nahe kommt. Die Orientierung an der Wildform hat das Ziel, Tiere zu züchten, die für naturnahe, extensive Ganzjahresbeweidungsprojekte in Naturschutz und Landschaftsentwicklung besonders geeignet sind. Zugleich sind diese Rinder ein wichtiger Baustein für die praktische Vermittlungsarbeit zum Themenkomplex Wildnis und Jagd im Frühen Mittelalter am Freilichtlabor. Das Auerrindprojekt ist seit 2018 auch Mitglied des European Rewilding Network (ERN) der niederländischen Stiftung Rewilding Europe.

Forschung

Neben dem eigentlichen Zuchtprojekt möchte das Auerrindprojekt im Rahmen wissenschaftlicher Untersuchungen an Auerochsenknochen den Wissensstand zu Morphologie, Verhalten und Lebensraum des Auerochsen verdichten. Angestrebt sind zudem Kooperationen mit Forschungseinrichtungen zur aDNA Analyse ausgewählter Knochenfunde, um diese genauer datieren zu können.

Zuchtplan

Beim Auerrindprojekt handelt es sich jedoch in erster Linie um ein klassisches Zuchtprojekt. Auf Grundlage neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse wurde nach Rinderrassen gesucht, die dem Auerochsen genetisch, phänotypisch oder aufgrund ihres Verhaltens noch recht nahe stehen. Zugleich ist es erklärtes Ziel des Projektes, die Anzahl der Gründerrassen möglichst gering zu halten, um in einem mittelfristigen Rahmen von 10-20 Jahren ein größtmögliches Maß an Homogenität bei den Kreuzungstieren zu erreichen. Die gezielte Kreuzung unterschiedlicher Ausgangsrassen untereinander soll es dann ermöglichen, einzelne, gewünschte Eigenschaften (Körper- und Horngröße, Hornform und Farbe) zu kombinieren und bis zur dritten Kreuzungsgeneration auch genetisch weitestehend zu fixieren.

Zum jetzigen Zeitpunkt sind im Wesentlichen vier Rassen für das Zuchtprojekt im Einsatz:

  • Chianina (älteste Rinderrasse Italiens)
  •  Maremmana (ursprüngliche Hausrinderrasse, in den Grassteppen der Maremma in der südlichen Toskana und dem nördlchen Latium beheimatet)
  • Sayaguesa (spanische Hausrinderrasse)
  • Watussi (Hausrinderrasse in Ostafrika)

Vermittlung

Im Rahmen von Wanderausstellungen, Führungen, Fahrradtouren sowie Vorträgen versucht das Auerrindprojekt über die Bedeutung großer Pflanzenfresser und naturnaher Beweidung aufzuklären. Damit soll auch ein größeres Bewusstsein für die komplexen Zusammenhänge in den jeweiligen Lebensraumtypen geschaffen werden. Es ermöglicht zudem einen speziellen und in vielerlei Hinsicht sehr authentischen Einblick in frühmittelalterliche Natur- und Kulturlandschaften. Auch die Beschäftigung mit der frühmittelalterlichen Wildnis und Jagd stellt eine wichtige Ergänzung zu den anderen Vermittlungsschwerpunkten des Freilichtlabors dar.

Naturschutz

Die Haltung der Tiere erfolgt in der Regel auf großen Naturschutzflächen. Dies hat den positiven Nebeneffekt, das eben jene herausragende Artenvielfalt, die bis zum Verschwinden großer heimischer Pflanzenfresser wie dem Auerochsen in der Natur vorgeherrscht hat, nun ein Stück weit wiederbelebt werden kann.

Für mehr Informationen zum Auerrindprojekt:
www.auerrind.de

Aktuelle Videos zum Auerrindprojekt finden Sie hier:

X