Klostermauer

Zu den wenigen erhaltenen Bauten der ehemaligen Klosteranlage gehört die Klostermauer, deren südlicher Teil noch heute zu sehen ist. Mit einer Höhe von drei bis vier Metern und einer Länge von rund 500 Metern ist sie das größte noch original vorhandene Bauwerk des Klosters.

Die Kloster- und Stiftsmauer in Lorsch

Zu den wenigen bewahrten Bauten des ehemaligen Klosters und Stifts Lorsch gehört die, zu großen Teilen erhaltene, Umfassungsmauer. Die südlichen Mauerteile bestehen heute noch; im Norden ist der Mauerverlauf und damit auch die Eingrenzung des Klosterareals durch Grabungen und Pläne zu belegen.
Sie diente in erster Linie der Begrenzung und dem rudimentären Schutz des Klosterareals und hatte keine ausgeprägte fortifikatorische Funktion. Mit 3–4 m Höhe und einer Länge von fast 500 m ist sie das größte noch stehende Monument des Klosters.

In der Forschung taucht die Lorscher Klostermauer am Rand oder in Verbindung mit Gebäuden und Einbauten auf. So widmet Friedrich Behn der Mauer und ihren Toren ein komplettes Kapitel, das sich im Wesentlichen mit den Toren beschäftigt. Auch die neueren archäologischen Untersuchungen fanden primär im Umkreis der Latrine, des Infirmarietrakts und der Tore statt. Als man im nördlichen Bereich des Infirmariums die Klostermauer genauer untersuchte, fand man Denare aus der Zeit Ludwigs des Frommen.

Folglich stand an dieser Stelle bereits in der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts ein steinernes Mauerstück; auch nördlich der Osttore entdeckten die Ausgräber ähnlich gestaltetes Mauerwerk. Mittels Auswertung der schriftlichen Quellen war bis jetzt nicht genau festzustellen, wann die Klostermauer in ihrem heutigen Verlauf entstanden ist. Durch einen Eintrag im Lorscher Codex wird Abt Richbod 804 die Errichtung einer ersten Klostermauer zugeschrieben. Der Chronist des 12. Jahrhunderts erwähnt, dass die nach Süden verlegte Klausur von einer Mauer umgeben wurde, wo man sie zu seinen Lebzeiten noch gesehen hat. Es ist in der Forschung umstritten, ob es sich um eine Umfassungsmauer der Gesamtanlage oder eine wesentlich engere Einfassung des inneren Klosterbezirks handelte. Auch das Lorscher Necrolog-Anniversar nennt bei den Verdiensten Richbods nur ein von Mauern umgebenes claustrum. Die zweite Erwähnung der Klostermauer im Lorscher Codex taucht erst einige Jahrhunderte später bei Abt Heinrich auf. Diesem wird nach 1151 eine komplette Instandsetzung der ruinösen Klostermauer zugeschrieben. Der Chronist betont bei seinem früheren Eintrag, dass man den Verlauf der Richbod’schen Mauer zu dieser Zeit noch sehen kann. Es ist also gut möglich, dass ein Teil der alten Mauer unter Heinrich einbezogen, ihr Verlauf aber abgeändert beziehungsweise erweitert wurde.

Die Mauer überdauerte die komplette Kloster- und Stiftszeit, was über die Jahrhunderte hinweg viele Erneuerungs- und Instandhaltungsmaßnahmen mit sich brachte. Auch nach der Aufhebung des Stifts im 16. Jahrhundert wurde sie immer wieder ausgebessert. Sie setzt sich heute demnach aus diversen kleineren Mauerteilen verschiedenster Epochen zusammen.
Sie traten durch einen über die Steine verstrichenen Putz nur an vereinzelten Stellen deutlich in Erscheinung. Im Zuge der Fugenöffnung bei erneut anfallenden Sanierungsarbeiten 2011 war es möglich, die Mauer im östlichen Bereich zwischen modernem Südtor und Nibelungenstraße bauhistorisch zu untersuchen (rote Markierung Abbildung oben). Es konnten Beobachtungen angestellt werden, die durch Mörtel und Verputz vor und auch nach diesen Arbeiten nicht möglich waren beziehungsweise sind.
Tina Schöbel

Abbildungen:
– Klosterplan von 2009, bauhistor. untersuchter Bereich rot markiert
– Zugesetzte Latrinenöffnung in der Klostermauer frontal.
– Mauervorsprung zwischen ehem. Latrinenöffnung und neuzeiticher Zusetzung

Wissenschaftliche Texte zum Kloster Lorsch
Die Kloster- und Stiftsmauer in Lorsch

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